Armenien

Armenien ist eine landumschlossene Republik im südlichen Kaukasus. Es grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Süden an Iran und die aserbaidschanische Exklave von Nachitschewan und im Westen an die Türkei. Die Republik stellt Gebietsansprüche an die Exklave Berg-Karabach, die zu Aserbaidschan gehört.

Erdteil: Vorderasien

Offizieller Name: Hayastani Hanrape- tut'yun (Republic of Armenia)

Staatsform: Präsidiale Republik

Staatsführung: Präsident

Regierungsführung: Premierminister

Politisches System: Präsidialrepublik seit 1991, Verfassung  seit Juli 1995 in Kraft. Allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahre. Ein-Kammer-Parlament mit 131 Sitzen. Wahl alle 4 Jahre. Direktwahl des Staatsoberhauptes alle 5 Jahre.

Parteien: Bündnis „Einheit"(Volkspartei und Republikanische Partei); Revolutionäre Föderation Daschnakzutiun (National- Demokratische Union)

Opposition: Bündnis „Recht und Einheit" (Union für Verfassungsrecht und „Nationale Einheit"); Partei „Rechtsstaat";

Gewerkschaften: Gewerkschaftsunion mit 26 Einzelgewerkschaften

Landesfläche: 29 800 km2 (Weltrang 139), davon 28 400 km2 Land- und 1400 km2 Wasserfläche

Ausdehnung: NW-SO 350 km

Landesgrenzen: insg.: 1254 km (eigentliches Aserbaidschan: 566 km; Nachicevan-Enklave (Aserbaidschan) 221 km; Georgien: 164 km; Iran: 35 km; Türkei: 268 km)

Gliederung: 37 Distrikte, 21 Städte

Hauptstadt: Yeveran

Armenien

Landessprachen: Armenisch (im Bergland von Mesopotamien, dem südlichen Kaukasus und an der Südostküste des Schwarzen Meers verbreitete indoeuropäische Sprache, seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. überliefert (zunächst als Bibelübersetzung); erste Handschriften aus dem 9. Jahrhundert; bis zum 15. Jahrhundert Altarmenisch (klassisches Armenisch), danach das in mehreren Mundarten noch heute gesprochene Neuarmenisch (ca. 6 Mill. Menschen) als Amtsprache, russisch existiert als "Zwischennationalitäten-Sprache"

Staatsreligion: keine

Währung: 1 dram =100 lumas

Bevölkerung: 3500 000

Bevölkerungsdichte: 118,3 Menschen je km2

Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung: Armenier 93.3%; Aserbadschaner 2.6%; andere 4.1%.

Ansässige Deutsche: etwa 500 Volksdeutsche

Religionszugehörigkeit: Armenisch-apostolische Kirche (94%)

Menschrechtslage: Mit der Aufnahme Armeniens als 42. Mitglied in den Europarat am 25.01.2001 ist auch international ein Voranschreiten der Demokratisierung anerkannt worden. Somit ist ein Mindeststandard nach europäischer Rechtsauffassung hinsichtlich Achtung der Menschenrechte gewährleistet. An der Umsetzung der noch bestehenden Auflagen (Lösung des Nagorny Karabach Konfliktes, Abschaffung der Todesstrafe, Straffreiheit Homosexualität, Einrichtung Wehrersatzdienst, Ombudsmann, Überarbeitung Parteiengesetz, Mediengesetz u.a.) wird derzeit auch mit Hilfe der internationalen Gebergemeinschaft gearbeitet. Vor und mit Aufnahme Armeniens in den Europarat wurden Bedingungen für die Einhaltung und Anpassung der Rechtslage an europäischen Standard gestellt, Fortschritte hier werden von Europaratsmissionen beobachtet. In Armenien gibt es eine Vielzahl von nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen, deren Tätigkeit keinerlei Einschränkungen durch staatliche Organe unterliegt. Nationale und ethnische Minderheiten sind integriert und im Rat der Nationalen Minderheiten organisiert. Es gibt derzeit keine politischen Gefangenen. Die Todesstrafe wird zwar nach wie vor verhängt, aber nicht vollstreckt.

Größte Städte: Yerevan 1,283,000; Gyumri 163,000; Kirovakan 76,000

Geographische Lage: zwischen 38° 51' und 41° 16' nördlicher Breite sowie 43° 29' und 46° 37' östlicher Länge

Merkmale: höchster Berg --> Aragac 4090 m; längster Fluß --> Aras (Teil) 914 km; größter See --> Sewansee 1417 km2.

Geographie:  Armenien ist ein Gebirgsland und wird fast vollständig von den Ausläufern des Kleinen Kaukasus eingenommen, dessen Name über die Höhe seiner Gipfel täuscht. Zerklüftete und erloschene Vulkane sowie Lava-Plateaus, die von tiefen Schluchten durchzogen werden, prägen die Landschaft. Zudem ist das Land erdbebengefährdet, was zeigt, daß die Gebirgsbildung noch nicht abgeschlossen ist.

Klima: Kontinentales Klima prägt das Land. Die Sommer sind sehr heiß, die Winter eisig. Auf den Plateaus und Berghängen in den nördlicheren Landesteilen fallen regional bis zu 500 mm Niederschläge, der größte Teil davon im Frühjahr.

  Höhe Temp. Januar Temp. Juli Niederschlag (Jahr, mm)
Erewan 990 -6 26 318

Flora/Fauna: Die Vegetation ist aufgrund der Höhenlage und der Trockenheit in weiten Gebieten ausgesprochen karg. Neben Büschen und Sträuchern gedeihen in feuchteren Regionen oberhalb von 2000 m auch alpine Matten. Nur in den Flußtälern und auf den Rücken des Kleinen Kaukasus gibt es große Laubwälder aus Eichen, Birken und Buchen. Schakale, Eidechsen und Schlangen leben in den Trockengebieten. In den Wäldern gibt es große Bestände an Rot- und Schwarzwild. Außerdem leben dort Luchse, Marder und die selten gewordenen Braunbären. Eine Besonderheit der Tierwelt sind die Leoparden, die vom Iran her einwanderten.

Zeitzone: MEZ +3,0 Stunde

Geburtsrate je 1000 Menschen: 13,3 (Weltdurchschnitt. 25.0)

Todesrate je 1000 Menschen: 6,5 (Weltdurchschnitt 9.3).

Landwirtschaft: Nutzfläche 19,8%, von der Anbaufläche bewässert 54,5%. Weitgehend privatisiert. Trockenheit und Temperaturen bis 400 C verursachten im Juli/August 2000 Ernteausfälle bis zu 60%. Die USA lieferten 67 500 t Weizen.

Industrie: Seit dem Ende der Sowjetunion machen Nahrungs- und Genussmittel über 50% der verarbeitenden Industrie aus. Die Tabakproduktion stieg im ersten Halbjahr 2000 um fast 90%.

Ressourcen: Kupfer, Zink, Molybdän, Agrarprodukte, Weintrauben/Wein, Wasserkraft

Verkehr: Schienennetz 806 km, Straßennetz 8431 km. Internationaler Flughafen in Eriwan, Nationale Fluggesellschaft Armenian Airlines.

Kommunikation: Beim Justizministerium sind 1941 gesellschaftliche Organisationen und 905 Medien registriert. Nach der Verfassung besteht Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit; doch bestehen in verschiedenen Bereichen der Staatssicherheit und des Militärs Einschränkungen. Auf 1000 Einwohner kommen 218 Fernsehgeräte, 157,2 Telefone, 2 Handys, 0,1 Faxe und 0,66 Internetzugänge. Es erscheinen 11 Tageszeitungen.

Wichtigste Medien: Fernsehen: Staatliche Fernsehanstalt AST (Armenisches Staats-Fernsehen) mit einem Programm, zwei russische Programme sowie mehrere kleinere regional begrenzte Privatsender; insgesamt derzeit 44 Fernsehsender. Hörfunk: Staatliche Rundfunkanstalt (3 Programme). Printmedien: Agenturen: ArmenPress (staatlich, steht zur Privatisierung an), Noyan Tapan, Snark, ARKA-Wirtschaftsnachrichten (unabhängig), Arminfo.
Tageszeitungen: AZG, Hayastani Hanrapetutiun, Irawunk, Ayzhm, Aravot, Golos Armenii (russisch) sowie daneben weitere 3 russischsprachige Tageszeitungen. Wochenzeitung: Noyan Tapan Highlights (englischsprachig).

Umwelt, Tourismus: Geschützte Gebiete 7,2% der Landesfläche. Ein Förderprogramm soll bis 2003 rund 150 000 Touristen anlocken.

Weltkulturerbe: Kloster Haghbat, Kathedrale und Kirchen von Echmiatsin und archäologische Fundstätten von Zvartnots.
Durch Naturkatastrophen und große Flüchtlingstrecks hat sich die Lage auch im sozial- und gesundheitspolitischem Bereich weiter verschlechtert. Es gibt über 100.000 Behinderte, vor allem Erdbebenopfer und Kriegsversehrte. Die Volksgesundheit wird zudem durch hohen Zigarettenkonsum beeinträchtigt.

Bildung: Schulpflicht von 6-17 Jahren. 14 Universitäten oder vergleichbare Einrichtungen mit ca. 36 000 Studenten. Analphabetenrate: Männer 0,3%, Frauen 0,5%.

Kultur: Armeniens Kultur ist seit dem 4. Jahrhundert christlich geprägt.

Armee: Allgemeine Wehrpflicht von 18 Monaten. 58,600 (Heer 100,0%). In Armenien sind 43 000 russische Soldaten stationiert. Anteil der Militärausgaben am Staatshaushalt: 6-7%.

Nationalhymne: Text Mikael Nalbandian, Melodie Parsegh Ganatchian.

Übersetzte 1. Strophe: "Unser Vaterland, beraubt, schikaniert / Unterdrückt von skrupellosen Feinden / Ruft jetzt seine treuen Söhne / Um den rächenden Schlag auszuführen."

Kurzinfo: Bereits im 3. Jahrhundert christianisiert, wurde das Land an der ethnischen Grenze zwischen Slawen und Muslimen von Römern, Persern, Arabern, Mongolen und Russen erobert. 1828 verleibte sich Russland den Norden des Landes ein. 1915 deportierten Türken Armenier aus dem Grenzgebiet in die mesopotamische Wüste, eine Million Menschen kamen um. 1918/19 unabhängig, wurde das Land 1920 von den Bolschiwiki übernommen und 1922 in die UdSSR eingegliedert. Der Konflikt um Berg-Karabach, eine armenisch-christliche Enklave im muslimischen Aserbaidschan, eskalierte 1988 zum Krieg mit Aserbaidschan. 1994 wurde nach großen armenischen Eroberungen ein Waffenstillstand erreicht. Der 1991 Ter-Petrossjan stimmte einem Friedensplan der OSZE zu, über den auch Aserbaidschan zu reden bereit war. Petrossjan mußte demissionieren. Sein Nachfolger wurde 1998 ein Hardliner aus Karabach, womit der Friedensplan wieder in Frage gestellt ist. Das außenpolitisch isolierte Land leidet unter einer Wirtschaftskrise, die durch eine Blockade Aserbaidschans verschärft wird. Die Türkei läßt nur Verbindungen über den Luftweg zu.

Aktuelle Entwicklung: Im Konflikt um die Kaukasus-Enklave Berg-Karabach ist nach mehr als zehn Jahren eine Lösung n Sicht. In Geheimgesprächen auf höchster Ebene sollen sich nun die Präsidenten Armeniens und Aserbaidschans, Robert Kotscharjan und Gejdar Alijew, auf einen Gebietstausch geeinigt haben. Armenien tritt die südliche Provinz Meghri an der iranischen Grenze und ein kleines Teilstück Karabachs an die Aseri ab, dafür erhält es den Rest der Bergregion mitsamt einem Korridor. Aserbaidschan bekäme dadurch wieder Zugang zu Nachitschewan, einer von Armenien umgebenen Exklave. Der Kompromiss kam auf Druck der USA zu Stande, die wie die Türkei an einer Beilegung aller Konflikte im südlichen Kaukasus interessiert ist - wegen der Ölvorkommen im Kaspischen Meer. Herrscht Frieden in Karabach, könnte die geplante Pipeline von Baku zum Mittelmeer durch Armenien verlegt werden, ohne Umweg über Georgien. Russland wäre der Verlierer des Deals: es hatte bislang die Armenier gegen die mit der Türkei verbündeten Aseri unterstützt und den Konflikt zwischen den verfeindeten Ländern nach Kräften geschürt. Nach einem Friedensvertrag und einer armenisch-türkischen Annäherung würde es seine letzte Kaukasus-Bastion verlieren.

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